Die SGAB engagiert sich für die Berufsbildung

Die Schweizerische Gesellschaft für angewandte Berufsbildungsforschung SGAB bildet eine Brücke zwischen der angewandten Berufsbildungsforschung und den Akteurinnen und Akteuren der Berufsbildungspraxis (berufliche Grundbildung, Höhere Berufsbildung, Weiterbildung). Hauptaktivitäten der SGAB sind die Durchführung von Tagungen und die Berichterstattung über Ergebnisse der Berufsbildungsforschung. Sie publiziert dafür alle drei Monate einen kostenlosen Newsletter. Die SGAB wurde 1987 gegründet und ist in der deutschen und französischen Schweiz aktiv.

Neues aus der Berufsbildungsforschung

SGAB-Preis

Gute und aktuelle Berufsbildungsforschung und deren Anwendung in der Praxis müssen anerkannt und bekannt gemacht werden. Deshalb schreibt die SGAB, die Schweizerische Gesellschaft für angewandte Berufsbildungsforschung, einen Preis aus. Damit werden ausgezeichnete Anwendungen der Berufsbildungsforschung gefördert und sichtbar. Insbesondere soll der Dialog zwischen der Berufsbildungsforschung und der -praxis gestärkt und zu forschungsgestützten Innovationen in der Praxis beigetragen werden. Hier finden Sie den Download der Ausschreibung.

Anerkennungspreis für Transfer von Forschung in die Praxis
Bild | Daniel Fleischmann
Lernen im Rahmen von selbst ausgewählten Projekten

Die Lernenden von Swisscom durchlaufen ihre Lehre im Rahmen von Projekten, die einen Tag bis maximal sechs Monate dauern. Eine explorative Fallstudie des EHB zeigt, dass die Lernenden mit dieser radikal anderen Form der Ausbildung zufrieden sind. Sie erschienen sehr reflektiert und fühlen sich gut auf das Leben nach der Ausbildung vorbereitet. Bei Swisscom ist man überzeugt, dass den Lernenden bereits viel zugetraut werden kann: Sie können eigenständig handeln, dürfen Fehler machen, können Verantwortung übernehmen und lassen sich bei Schwierigkeiten beraten. Die strukturellen Voraussetzungen für das Modell bilden Lernbegleiter/innen, die Projektplattform «Marketplace», eine flexible Arbeitsorganisation sowie die Kommunikation auf Augenhöhe.

Innovative Lernkultur bei Swisscom
Bild | Swisscom
Wege in die Tertiärbildung: Die Bedeutung der Lern- und Wissenskultur

Die Schweizer Bildungspolitik ist angesichts des Fachkräftemangels herausgefordert, die Quote tertiär ausgebildeter junger Menschen zu erhöhen. Eine Studie zeigt, dass die berufliche Grundbildung dazu einen eher geringen Beitrag leistet. Sie richtet sich – im Unterschied zur Berufsmaturität oder der Fachmaturität – am Aufbau beruflicher Handlungskompetenz aus und stattet die Lernenden eher wenig mit allgemeinbildendem, abstraktem, theoretisch-systematischem Wissen aus. Deshalb bleibt es wichtig, die BM1 zu fördern und Jugendliche gleich nach der obligatorischen Schulzeit frühzeitig propädeutisch auf ein Studium vorzubereiten. Zudem bleiben stärker schulbasierte Wege wie die Fachmittelschule geeignet, Jugendliche an die Fachhochschulen zu führen.

Handlungskompetent oder studierfähig?
Bild | SBFI
Probleme der Positionierung der Höheren Fachschulen

Über die Verdienste der höheren Fachschulen als Lieferantinnen hochqualifizierter Fachkräfte sind sich alle einig. Wie die höheren Fachschulen faire Chancen auf dem Bildungsmarkt behalten können, ist weit weniger klar. Die Rahmenbedingungen sind zunehmend ungünstig, und auch die Lösungsvorschläge sind kontrovers. Nun hat das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation entschieden, die Frage der HF im Rahmen des Strategieprozesses «Berufsbildung 2030» zu behandeln. Verbesserungspotenzial besteht bei den Titeln, den Diplomen und der Stellung als Institutionen; aber auch Finanzierung und rechtliche Grundlagen werfen Fragen auf. Eine Auslegeordnung der wichtigsten Probleme.

Weichenstellung für die höheren Fachschulen
Bild | Daniel Fleischmann
Analyse der Kommissionen Berufsentwicklung und Qualität (B&Q)

Mit dem neuen Berufsbildungsgesetz von 2004 wurde für jede berufliche Grundbildung eine Kommission Berufsentwicklung und Qualität (B&Q) eingesetzt. Diese Kommissionen sind für die Pflege und Weiterentwicklung der einzelnen Berufe verantwortlich. Wie sind sie zusammengesetzt, wie arbeiten sie, welche Kompetenzen haben sie? Diese Fragen sind Gegenstand des Forschungsprojektes «Konturen des dualen Modells – Regulierung und Gestaltung der Berufsbildung in der Schweiz» des Lehrstuhls für Berufsbildung der Universität Zürich. Die erste Teilstudie zeigt, dass die Kommissionen B&Q insbesondere auf der strategischen Ebene der Steuerung wichtige Funktionen übernehmen und es ihnen gelingt, eine Stimmenvielfalt in die Entwicklung von Berufen zu integrieren. Auf verschiedenen Ebenen wird aber eine Verdichtung von Einfluss sichtbar.

Zwischen Steuerungsoptimierung und Ämterkumulation
Bild | SBFI
Studie «Anerkennung von Branchenzertifikaten auf dem Arbeitsmarkt (ABA)»

Branchenzertifikate spielen auf dem Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle. Jährlich werden mehr als doppelt so viele dieser non-formalen Zertifikate erworben wie Abschlüsse der höheren Berufsbildung. Eine Studie des Schweizerischen Verbandes für Weiterbildung (SVEB) untersucht, wie die Anerkennung von Branchenzertifikaten zustande kommt. Sie zeigt, dass Branchenzertifikate verschiedene Möglichkeiten für die Lösung bestimmter Probleme innerhalb der Branchen eröffnen – etwa neue Zielgruppen zu qualifizieren und in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Mit Hilfe von Branchenzertifikaten lässt sich zudem ein spezifischer Kompetenzbedarf der Branche relativ rasch, flexibel und auf dem gewünschten Niveau decken, wobei ein gutes Aufwand-Nutzenverhältnis erzielt werden kann.

Unterschätzte berufliche Weiterbildung
Bild | Frank Müller
KOF-Studie zur Governance in der Berufsbildung

Die KOF hat die Kooperation zwischen den Akteuren im Schweizer Bildungssystem untersucht. Dabei zeigt sich, dass diese generell zufrieden sind mit der Zusammenarbeit. Ein Spannungsfeld, also weniger zufriedenstellende Beziehungen, besteht zwischen dem Bund und den Organisationen der Arbeitswelt (OdA), und zwar in beide Richtungen. Hier gibt es Handlungsbedarf, denn die OdA spielen im dualen Berufsbildungssystem eine zentrale Rolle. Die Studie macht eine Reihe von Vorschlägen, so zur Verbesserung der Information über das Berufsbildungssystem.

Wie gut arbeiten die Akteure der Berufsbildung zusammen?
Bild | SBFI
Längsschnittstudie zum Einstieg und Ausbildungsverlauf

Jährlich beginnen rund 7500-8000 Jugendliche eine zweijährige Grundbildung mit Attest (EBA), rund 600-700 Jugendliche eine Praktische Ausbildung (PrA). Die Angebote bilden damit unverzichtbare Elemente einer Berufsbildung, die auch schwächere Lernende integriert. Die beiden Ausbildungen unterscheiden sich durch die schulische Herkunft der Lernenden. Rund ein Viertel der EBA-Lernenden hat vor der Ausbildung die Regelschule besucht, bei den PrA-Lernenden sind es nur 3%. Die Zufriedenheit der Lernenden ist gross: Am Ende der Ausbildung geben über 70% an, mindestens «ziemlich zufrieden» zu sein. Sorgen machen muss die hohe Quote der Jugendlichen, die nur über Umwege in EBA oder PrA einmünden.

Lernende in den niederschwelligen Ausbildungsgefässen EBA und PrA
Bild | Altra Schaffhausen
Passen erworbene und nachgefragte Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt zusammen?

Die Berufsbildung vermittelt ein hohes Mass an (berufs-)spezifischen Fähigkeiten. Dadurch gelingt der Einstieg ins Erwerbsleben oft reibungslos. Aber sind Personen mit Berufsbildung auch gut gerüstet, um auf Veränderungen während ihres Erwerbslebens zu reagieren? In der vorliegenden Studie wurde nach dem Vorbild internationaler Studien untersucht, welche Auswirkungen es auf den Lohn hat, wenn erworbene und verlangte Qualifikationen nicht übereinstimmen. Dabei zeigt sich, dass keine systematischen Lohneffekte eintreten, und zwar weder für Personen mit Hochschulabschluss noch für solche mit einem Abschluss der beruflichen Grundbildung oder der höheren Berufsbildung.

Spezifisch ausgebildet, aber breit aufgestellt
Bild | Coople