Newsletter 1/2019

Governance der Berufsbildung: Eine systematische Analyse der Organisationen der Arbeitswelt

Die Organisationen der Arbeitswelt sind für die Berufsbildung unverzichtbar – sie sind die Motoren der Berufsbildung. Das vom SBFI unterstützte Leading House GOVPET: Governance in Vocational and Professional Education and Training hat nun erstmals umfassende Daten über die OdA erhoben und ausgewertet. Sie zeigt, dass sich seit der Berufsbildungsreform von 2002 die Anzahl spezialisierter Berufsbildungsorganisationen stark erhöht hat. Diese vereinen oftmals heterogene Mitglieder oder Träger und unterschieden sich in vielen Aspekten von traditionellen Unternehmensverbänden, Berufsverbänden und Arbeitnehmerverbänden.

Die vielen Motoren der Berufsbildung
Foto SBFI
Studie «Bildungsentscheidungen und Bildungsverläufe von Jugendlichen» (BEN)

Die Wahl einer nachobligatorischen Bildung ist ein komplexes Geschehen. Im Rahmen einer vom SBFI finanzierten Studie wurden junge Erwachsene im Abstand von zwei Jahren dreimal befragt. Die Ergebnisse öffnen das Verständnis dafür, wie Bildungsentscheidungen entstehen und umgesetzt werden. Sie belegen unter anderem den zentralen Stellenwert der Motivation von jungen Menschen bei der Planung von Ausbildungen. Junge Menschen entscheiden sich für Ausbildungen aus Interesse an einem Thema oder Tätigkeit. Ein allfälliger Gewinn an Status, Einkommen, Arbeitssicherheit ist weniger zentral.

Motivation bringt tertiäre Bildung
Foto SBFI
Forschungsprojekt EHB: Profile für Lehrkräfte

Eine Lehr­kraft ist kompetent, wenn sie unterschiedliche Ressourcen mobilisieren und vereinen kann, um in den typischen Situationen des eigenen Berufes zu bestehen. Aber welches sind diese typischen Situationen? Diese Frage war Gegenstand eines Projektes des EHB zur Beschreibung der wichtigsten Kompetenzen und Ressourcen von Lehrkräften in der Berufs­bildung. Gefunden wurden rund 50 typische Situationen, die sich zu elf Gruppen und entsprechenden Komptenzprofilen verdichten lassen. Am Projekt waren über 200 Lehrkräfte aus verschie­denen Sparten der Berufsbildung beteiligt.

Im Kern elf Kompetenzen
Foto Daniel Fleischmann
Lebenslaufforschung mit TREE-Längsschnitt-Daten

Die Schweizer Längsschnittstudie TREE (Transitionen von der Erstausbildung ins Erwerbsleben) beobachtet seit mittlerweile fast anderthalb Jahrzehnten Ausbildungs- und Erwerbsverläufe nach Ende der Schulpflicht. Die jüngsten Ergebnisse zeigen, dass knapp die Hälfte der beobachteten Kohorte das Ausbildungssystem mit einem Abschluss der beruflichen Grundbildung verlässt. Rund 40 Prozent erwerben einen Abschluss auf Tertiärstufe. Zehn Prozent der Kohorte bleiben ohne nachobligatorischen Ausbildungsabschluss. Die Arbeitsmarktsituation ist insgesamt überwiegend günstig.

Zwischenstand im Alter von 30 Jahren
Foto SBFI
EHB-Studie zur Resilienz von Lehrkräften in der beruflichen Bildung

Nach allgemeinem Konsens weist der Lehrerberuf ein hohes Stressniveau auf. Auf der Grundlage einer EHB-Studie zu Lehrkräften an beruflichen Schulen erläutert dieser Beitrag die vielfältigen kontextuellen und individuellen Faktoren, die zur Resilienz von Lehrkräften beitragen. Die Erkenntnisse verdeutlichen, dass zur Förderung von Resilienz systemische Massnahmen auf mehreren Ebenen nötig sind. Insbesondere muss man Lehrkräften die geeigneten Kompetenzen zur Bewältigung komplexer und heterogener Unterrichtsaufgaben vermitteln, ihr Gefühl der Berufung stärken und ein kollegiales und unterstützendes Schulumfeld fördern.

Wie Lehrpersonen Widrigkeiten standhalten
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Neues Buch im hep-verlag: «Das Nichtwissen der Lehrperson»

Lehrerinnen und Lehrer vermitteln Wissen, sagt man. Das stimmt zwar. Kaum thematisiert wird jedoch, dass Lehrerinnen und Lehrer auch tagtäglich mit zahlreichen Situationen konfrontiert sind, die nicht vorhersehbar sind, sich in den Anforderungen widersprechen und kaum Zeit für ein gründliches Nachdenken lassen. Der Umgang mit Nichtwissen prägt das professionelle Handeln einer Lehrperson. Trotzdem wissen Lehrpersonen oft nicht genügend über das Phänomen des Nichtwissens Bescheid, wie Buchautorin Irene Schumacher im Interview deutlich macht.

Warum Nichtwissen zum Lehrerberuf gehört