Newsletter 1/2020

SGAB-Frühlingstagung und Verleihung SGAB-Preis

Am 29. April 2020 lohnt es sich gleich doppelt, nach Bern ins Bundeshaus zu fahren! An diesem Mittwoch führt die Schweizerische Gesellschaft für angewandte Berufsbildungsforschung (SGAB) die Tagung mit dem Titel «Zukunft der höheren Berufsbildung… hin zum Professional Master?» durch. Und sie prämiert das diesjährige Siegerprojekt des neuen SGAB-Anerkennungspreises für Transfer von Forschung in die Praxis.

Die Höhere Berufsbildung ist Teil der Tertiärsystems. Im Bildungsmarkt und im Arbeitsmarkt wird die Höhere Berufsbildung allerdings vielfach unter ihrem Wert gehandelt. Dies gilt für den nationalen, aber insbesondere auch für den internationalen Bildungs- und Arbeitsmarkt. Was sind die Gründe dafür? Und welche Massnahmen müssen ergriffen werden, damit die Höhere Berufsbildung richtig positioniert ist und adäquat wahrgenommen wird? An der Tagung sprechen Ursula Renold, Leiterin Forschungsbereich Bildungssysteme KOF, sowie Peter Berger, Präsident der Schweizerischen Konferenz der Höheren Fachschulen HF.

Im Zuge der Tagung werden auch die drei nominierten Projekte des SGAB-Preises bekannt gegeben. Mit dem Preis möchte die SGAB den Transfer qualitativ guter Berufsbildungsforschung in die Praxis der Berufsbildung auszeichnen. Die Jury des Preises ist hoch erfreut über die zahlreichen und qualitativ hochstehenden Eingaben. Aus den zehn Eingaben wurden drei Projekte ausgewählt und eines davon prämiert.

Tagungsdetails im Internet.

Wie die Berufsbildungsforschung in der Praxis ankommt
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Bericht zur SGAB-EHB-Tagung «Raus aus der Genderfalle»
Von
  • Elisa Marti

«Raus aus der Genderfalle» war das Thema der EHB-SGAB Tagung vom 22. November 2019, welche die Problematik der geschlechts(un)spezifischen Berufswahl und Karriere aus der Perspektive der Berufspraxis, Forschung und Bildungspolitik beleuchtete. Welche Strategien sind hilfreich, um in der Berufsbildung der Genderfalle zu entkommen? Darüber wurde in Referaten, einem Panelgespräch und Workshops diskutiert. Ein Ergebnis: Die Schweiz nimmt in Sachen Geschlechtersegregation international einen Spitzenplatz ein. Dafür mitverantwortlich, so die Forscherin Irene Kriesi, ist der Zeitpunkt der Berufswahl im dualen Bildungssystem. «Die Berufswahl findet in einer Lebensphase statt, in der es Jugendlichen besonders schwerfällt, sich über Geschlechtergrenzen hinwegzusetzen», so Kriesi.

Berufswahl: alte Denkmuster aufbrechen
Foto | EHB
Neues Buch im hep verlag: Modeling mit MetaLog
Von
  • Jürg Brühlmann

Die experimentell entwickelte Methode des «Modeling mit MetaLog» ist eine wirksame Ausbildungsform für die Praxis in personenbezogenen Berufen. Die ausbildende Person macht dabei während der Arbeit mit Klientinnen oder Patienten ihr handlungsleitendes berufliches Wissen explizit, sie kommentiert es laufend. Dank dieser Kommentare lernen die beobachtenden Lernenden oder Studierenden direkt aus der Expertise – wie aus dem Off in einem Dokumentarfilm. Der MetaLog ergänzt das bekannte Modelllernen (Modeling). Im April 2020 erscheint im hep Verlag ein Sachbuch, das erklärt, wie man mit «Modeling mit MetaLog» arbeitet. Erste Studien und bisherige Erfahrungsberichte zeigen, dass die Methode ein grosses Potenzial besitzt, um die Ausbildung in Gesundheitsberufen, Betreuung, Bildung, Therapie oder auch Verkauf und weiteren personenbezogenen Dienstleistungsberufen effektiver zu gestalten.

Texte aus dem Off
Foto | Jürg Brühlmann
Praxisintegrierte Bachelor-Studiengänge (PiBS)
Von
  • Philipp Eigenmann

Wenn gymnasiale Maturandinnen und Maturanden an einer Fachhochschule studieren möchten, müssen sie eine einjährige Arbeitswelterfahrung durchlaufen. Im Rahmen eines Pilotversuches wurde dieses Betriebspraktikum in die Zeit des Studiums verschoben – eine Massnahme im Rahmen der Fachkräfteinitiative. Eine Evaluation von econcept zeigte, dass die Nachfrage und die Zufriedenheit bei Studierenden und Unternehmen hoch sei – PiBS sei damit ein attraktives Angebot, das punktuell zur Minderung des Fachkräftemangels im MINT-Bereich beitrage. Eine weitere Evaluation des Instituts für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich untersuchte das PiBS-Studienmodell der Fernfachhochschule der Schweiz (FFHS). Es kommt zu einem ähnlich positiven Schluss über die Nützlichkeit des Modells. Die angelegte enge Verknüpfung von Hochschulstudium und praktischer Ausbildung im Betrieb erfordere von den beteiligten Unternehmen und den Fachhochschule aber eine intensive Kooperation.

Akzeptanz und Herausforderungen eines neuen Studienmodells
Foto | FFHS
Die Bedeutung der betrieblichen Berufspraxis
Von
  • Alexandra Felder
  • Isabelle Caprani
  • Kerstin Duemmler

Wer einen Beruf lernt, möchte sich als vollwertige Mitarbeiterin oder vollwertiger Mitarbeiter an den betrieblichen Tätigkeiten beteiligen. Der Eindruck, selbstständig zu werden und Fortschritte zu machen, trägt entscheidend zur Entwicklung der beruflichen Identität bei. Aber diese Teilnahme wird nicht von allen Betrieben genügend gefördert. Welche Mechanismen sich dahinter verbergen, bildet den Gegenstand einer Studie des EHB, die vom Schweizerischen Nationalfonds unter dem Titel «Entwicklung beruflicher Identitäten» bei Maurer- und Automatiklernenden gefördert wird. Dabei zeigt sich unter anderem, dass es gut ist, wenn die betriebliche Ausbildungsverantwortung nicht bei einer einzigen Person liegt; vielmehr sollte die ganze Belegschaft ein Bewusstsein für die Betreuung der Lernenden entwickeln.

Wie berufliche Identität im Betrieb gefördert wird
Foto | SBFI
Industrieorientierte Ausbildungen in Drittländern
Von
  • Markus Maurer
  • Hannes Teutoburg-Weiss

Das gewachsene Interesse der Entwicklungszusammenarbeit an der Berufsbildung führte in den letzten Jahren auch zu einer Zunahme von Projekten und Programmen, mit denen Industrieausbildungen unterstützt wurden. Es ist jedoch wenig darüber bekannt, inwiefern solche Trainingsprogramme mit positiven Veränderungen in Unternehmen – sei es eine Veränderung der Arbeitsorganisation, eine Steigerung der Produktivität oder mehr Wachstum – in Beziehung stehen. Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt die Faktoren, welche Ausbildungsprojekte mittels Transformation von Arbeitsprozessen einen Beitrag zu inklusivem industriellem Wachstum leisten. Es zeigt unter anderem, dass eine durch viele Geber vorangetriebene, angebotsorientierte Ausrichtung von Berufsbildung auf niedrige Qualifikationsniveaus zwar auf dem Papier löblich ist. Sie ist allerdings problematisch, wenn die Ausgebildeten von den Unternehmen dann nicht nachgefragt werden.

Erste Ergebnisse aus dem Projekt «Skills-for-Industry»
Foto | Hannes Teutoburg-Weiss
Lernen in der Schule und in der Praxis
Von
  • Judith Kreuz
  • Christa Scherrer
  • Arnold Wyrsch

Es gehört zum Auftrag von Ausbildungsinstitutionen mit dualen Ansätzen, dass sie zur Lernortkooperation beitragen. Diese ist auch für die Auszubildenden bedeutsam. Im Rahmen einer Studie der Pädagogischen Hochschule Zug (PHZG) wurden sie zur Sicht auf das Lernen in der Schule und im Betrieb und zur Relationierung des Lernens zwischen diesen Lernorten befragt. Es zeigte sich, dass neben organisatorischen Koordinationsansprüchen besonders auch die Relationierung der beiden unterschiedlichen Erkenntniswege (praktisches Lernen und wissenschaftlich abgestimmtes, formales Lernen) besonders herausfordernd ist. Die beiden Erkenntniswege werden mitunter als «zwei Welten» wahrgenommen. Eine Begleitgruppe zum Projekt leitete aus diesen Sachverhalten Empfehlungen für die Verbesserung der Lernortkooperation ab.

Die zwei Welten der Berufsbildung
Foto | Daniel Fleischmann
EHB-Studie
Von
  • Alexandra Strebel
  • Sonja Engelage
  • Carmen Baumeler

Was haben Gewebegestalter/innen, Musikinstrumentebauer/innen und Seilbahnmechatroniker/innen gemeinsam? Sie gehören zu den Kleinstberufen mit durchschnittlich zwischen 7 und 28 neuen Lehrverhältnissen pro Jahr. Bei der Umsetzung der Berufsbildungsreform von 2002 wurde angestrebt, die Anzahl der Berufe in der Schweiz zu reduzieren, indem man ähnliche Berufe zu Berufsfeldern zusammenschliesst oder einzelne Berufe auflöst. Trotzdem haben einige Kleinstberufe überlebt, ja es wurden sogar neue kleine Berufe gegründet. Der vorliegende Beitrag zeigt anhand von drei Beispielen, dass ein entscheidender Faktor dafür bei den Berufsverbänden liegt. Mit ihrem ausserordentlichen Engagement tragen sie zum Erhalt ihrer traditionsreichen Berufe bei und sind Schlüsselakteure für die Weiterentwicklung ihrer beruflichen Ausbildung.

Wie Kleinstberufe überleben
Foto | Netzwerk Kleinstberufe
EHB-Studie bei drei grossen Schweizer Unternehmen
Von
  • Antje Barabasch
  • Silke Fischer
  • Anna Keller

Fachkompetenz und Fachwissen sind eine wesentliche Grundlage für kompetentes Handeln in der Berufsbildung. Sie sind auch erforderlich, um kreativ zu arbeiten. Seit der Diskussion um die Entwicklung von 21st Century Skills (z.B. kritisches Denken und Problemlösen, Kommunikation, Kollaboration) wird die Bedeutung der Kreativität betont. Sie hielt bereits Einzug in die Kompetenzbeschreibungen einiger Berufe in der Schweiz, wie beispielsweise Detailhandelsfachmann/-frau EFZ oder Kauffmann/-frau EFZ. Keine der 21st Century Skills existiert völlig abgegrenzt von anderen; sie wirken vielmehr ineinander bzw. miteinander. Für die Kreativitätsentwicklung spielt zusätzlich auch die Entwicklung eines ästhetischen Bewusstseins eine wichtige Rolle. Die Arbeit und Auseinandersetzung mit Kunst kann hierzu förderlich sein.

Kreativität und berufliche Handlungskompetenz
William Iven | Unsplash