Newsletter 3/2020

Von
  • Horst Biedermann

Fritz Oser ist am 5. September im Alter von 83 Jahren gestorben. Oser war von 1981 bis zu seiner Emeritierung 2007 ordentlicher Professor für Pädagogik an der Universität Freiburg. «Das grösste Verdienst von Fritz Oser ist es, dass er die universitäre Lehrerbildung revolutioniert und auf eine wissenschaftliche Basis gestellt hat», sagt Franz Baeriswyl, ehemaliger Direktor der Gymnasiallehrerausbildung an der Uni Freiburg. «Er hat die psychologisch basierte Didaktik als eigentliches Fach aufgebaut.» Oser hat als einer der Ersten Grundlagenforschung bezüglich der Lernprozesse bei der Berufsbildung betrieben. So leitete er das Leading House «Professional Mind», das Margrit Stamm mit den Worten würdigte: «Oser und sein Forschungsteam haben einen bedeutsamen Beitrag zur nachhaltigen Berufsbildungsforschung in der Schweiz geleistet und auch international eine enorme Reputation erfahren.» Eine der Publikationen des Leading House ist «Ohne Kompetenz keine Qualität» (Bad Heilbrunn: Klinkhardt 2013). Anlässlich der Beerdigung von Fritz Oser würdigte Horst Biedermann, Rektor der Pädagogischen Hochschule St.Gallen, den Verstorbenen.

Im Gedenken an Fritz Oser
Eine Dissertation untersucht die Klischees der Erwachsenen
Von
  • Guillaume Ruiz

Das Verhältnis von jungen Erwachsenen zum Thema Zeit irritiert die Erwachsenen manchmal, ja bringt sie zur Verzweiflung. Jugendliche scheinen ungeduldiger und weniger organisiert sein als die Älteren. Und sie interessieren sich offenbar nur für das Hier und Jetzt. Ob solche Zuschreibungen stimmen, ist Gegenstand einer neuen Studie. Sie zeigt: Entgegen des Klischees können sich die meisten der befragten Berufslernenden gut organisieren und haben realistische Zukunftspläne. Aber sie geben damit nicht an – obwohl Zeit eine soziale Ausdrucksform ist. Denn Zeit ermöglicht es den Jugendlichen, sich von der Welt der Erwachsenen, die ihnen sehr organisiert vorkommt, zu unterscheiden. Durch ihren Umgang mit der Zeit können Jugendliche signalisieren, dass sie einer anderen sozialen Kategorie angehören, die sich primär durch Freiheit definiert – die Jugend eben.

Wie verplant ist die Jugend?
Luke van Zyl on Unsplash
Integrationsvorlehre (Invol)

Als Reaktion auf den Flüchtlingsstrom in die Schweiz lancierte das Staatssekretariat für Migration 2015 die Integrationsvorlehre (Invol). Sie wird seit 2018 in zwölf recht unterschiedlichen Berufsfeldern angeboten. Die Öffnung der Berufe für Flüchtlinge stiess bei einigen Organisationen der Arbeit (OdA) auf Widerstand, während andere das Programm bereitwillig umsetzten. So bestand die Befürchtung, dass die Invol bestehende Lehrgänge abwerte. Die vorliegende Untersuchung zeigt, wie verschiedene Berufsfelder mit dem Dilemma umgingen, ihr Berufsprestige zu schützen und dennoch Flüchtlinge zu integrieren.

Zwischen Integrationspflicht und Prestigepflege
Foto | SBFI
Forschungsprojekt «Enhanced Inclusive Learning» zum Nachteilsausgleich
Von
  • Annette Krauss
  • Claudia Schellenberg

Mehr als jeder vierte Jugendliche und junge Erwachsene sagt von sich, er sei beeinträchtigt. Die Betroffenen berichten von Schwierigkeiten bei der Bewältigung von schulischen oder betrieblichen Anforderungen und einem reduzierten Wohlbefinden. Ein Teil von ihnen erhält einen Nachteilsausgleich. Er wird vor allem von Personen genutzt, die Lese-Rechtschreibstörungen haben, gefolgt von ADHS und körperlichen Beeinträchtigungen. An den Schulen sind zwar zunehmend Wissen und Erfahrung vorhanden, wie man mit dem Nachteilsausgleich umgeht. Bei der Umsetzung bestehen aber auch Unsicherheiten. Das Projekt «Enhanced Inclusive Learning» zeigt Erfahrungen, Einstellungen und Umsetzungsmöglichkeiten.

Zumeist hilfreich
Foto | Alissa De Leva on Unsplash
Interaktionen im Rahmen der erzieherischen Praxis mit Kleinkindern

Welche Kompetenzen benötigen Elementarpädagoginnen? Wie können diese Kompetenzen vermittelt und erworben werden? Zur Klärung dieser Fragen wurde ein vierjähriges Forschungsprojekt mit dieser Berufsgruppe in Kinderbetreuungseinrichtungen in Genf durchgeführt. Dabei wurden die Interaktionen gefilmt und besonders die Fähigkeit, die Kinder zu beobachten, genauer untersucht.

Lernen zu beobachten: eine zentrale Kompetenz in der Elementarpädagogik
Bild | SRF myschool