Neues Buch im hep verlag: Modeling mit MetaLog

Texte aus dem Off

Die experimentell entwickelte Methode des «Modeling mit MetaLog» ist eine wirksame Ausbildungsform für die Praxis in personenbezogenen Berufen. Die ausbildende Person macht dabei während der Arbeit mit Klientinnen oder Patienten ihr handlungsleitendes berufliches Wissen explizit, sie kommentiert es laufend. Dank dieser Kommentare lernen die beobachtenden Lernenden oder Studierenden direkt aus der Expertise – wie aus dem Off in einem Dokumentarfilm. Der MetaLog ergänzt das bekannte Modelllernen (Modeling). Im April 2020 erscheint im hep Verlag ein Sachbuch, das erklärt, wie man mit «Modeling mit MetaLog» arbeitet. Erste Studien und bisherige Erfahrungsberichte zeigen, dass die Methode ein grosses Potenzial besitzt, um die Ausbildung in Gesundheitsberufen, Betreuung, Bildung, Therapie oder auch Verkauf und weiteren personenbezogenen Dienstleistungsberufen effektiver zu gestalten.

Jürg Brühlmann
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  • Jürg Brühlmann
Jürg Brühlmann hat als Lehrer und Mitglied einer Hochschulleitung, als Leiter von kantonalen Schulprojekten sowie beim LCH gearbeitet. Heute ist er als Kursleiter, Hochschuldozent, Publizist, Coach und Organisationsberater BSO freiberuflich tätig und wirkt als Mitherausgeber des Journals für Schulentwicklung. Über all die Jahre hat er die Methode Modeling mit MetaLog weiterentwickelt.

«Mit Hilfe von Modeling mit MetaLog wird es den Lernenden ermöglicht, die Denk- und Entscheidungsprozesse eines erfahrenen Therapeuten in Echtzeit und in einer realen Situation mit zu verfolgen.» Martin Silke, Berufspädagoge Pflege und Therapie

Es ist nicht ganz leicht, eine Ausbildungsmethode zu schildern, die eigentlich erlebt und ausprobiert werden muss. Vielleicht wollen Sie, bevor Sie diesen Text lesen, auf unserer Website ein Video dieser Methode anschauen. Ich weiss auch nicht, welche Erwartungen Sie an diesen Text haben oder welches Vorwissen Sie mitbringen. Ich denke, dass es darum richtig ist, den Text so zu gestalten, dass Sie sich beim Lesen abgeholt fühlen. Um Ihre Geduld nicht zu strapazieren, bemühe ich mich, den Text knapp zu halten und Redundanzen zu vermeiden.

Mit solchen Worten könnte ein «MetaLog» beginnen, der die Aufgabe des Verfassers dieses Beitrags beschreibt. MetaLog – das Wort setzt sich aus der griechischen Präposition meta (bei, zugleich, über) und logos (Rede) zusammen – ist eine Textsorte, in der während einer beruflichen Handlung (und nicht im Vor- oder Nachgespräch) kontextgebundenes Expertenwissen ausgesprochen  wird. Die ausbildende Person kommentiert also während ihrer Arbeit ihre Überlegungen und Handlungen. So wird ihre berufliche Expertise nicht nur – wie im klassischen Modeling, dem Vormachen – sichtbar, sondern auch begründet und damit im Detail nachvollziehbar. Der MetaLog wird dabei ausschliesslich zu den Klientinnen und Klienten1 gesprochen, während die beobachtenden Lernenden eine Position einnehmen, die diese Interaktion nicht stört. Durch die Erklärungen in der Art eines Off-Tons im Dokumentarfilm erhält das Lernen durch Beobachten eine neue Qualität.

Ausbaufähige Praxisausbildung

In personenbezogenen Berufen sind Beziehungsgestaltung und Prozessführung zentral für die Qualität der Arbeit. In der Ausbildung muss man sie kommunikativ vermitteln. Die auftretenden Situationen sind aber nur bedingt im Voraus planbar, und sie finden meist in multidimensionalen Kontexten statt. Fachpersonen müssen auf Geschehnisse deshalb meist unmittelbar reagieren, und oft wirken sich ihre Reaktionen auf die weitere Zusammenarbeit und Entwicklung aus. Persönliche Ressourcen und Werthaltungen, die Rahmenbedingungen im Umfeld, aktuelle Ereignisse, die Lebensumstände, Biografien, momentane Verfassungen und Bedürfnisse von Klienten und Klientinnen – das alles beeinflusst die meist komplexen beruflichen Situationen.

Lernende müssen Gelegenheiten erhalten, dieses «tacit knowledge» (Schön, 1983) der Fachpersonen – also ihr implizites Wissen, ihre «Berufsgeheimnisse», die sie bei der Bewältigung von beruflichen Situationen nutzen – kennenzulernen. Auszubildende brauchen fachkundige Praxisausbildnerinnen und -ausbildner, die ihre Arbeit erklären können. Tatsächlich findet die praktische Ausbildung oft in privilegierten Ein-zu-Eins-Situationen statt, eigentlich eine ideale Situation. Trotzdem werden Ausbildende oft nur beschränkt in einer professionellen Ausbildungsfunktion wahrgenommen; oft definieren sie sich sogar selber nur als Gastgeber, die ihre Praxis als Lernort und Beobachtungsraum zur Verfügung stellen. Dieses System kommt zwar vielen Studierenden entgegen, weil sie in längeren Praktika nach einer kurzen, beobachtenden Kennenlernphase gerne bald einmal allein arbeiten, wie Hascher (2006) für die Lehrerbildung zeigen konnte. Aber an die Stelle einer Ausbildungsbeziehung ist eine Teambeziehung mit geringerem Lernpotenzial getreten.

In Teamsituationen sehen Studierenden in der Regel keine Normalsituation, wie sie sie später antreffen, wenn sie mit Klientinnen und Klienten allein arbeiten müssen. Auch Simulationsklienten, Skillslabs, Videofilme oder Einwegscheiben (verspiegelte Scheiben), mit denen oft gearbeitet wird, um die Praxis mit ihren anspruchsvollen Klientenbeziehungen nicht allzu sehr zu belasten, zeigen den Lernenden nicht die spätere, einzigartige Echtsituation. Damit werden die eigentlichen Chancen des Lernens in der Praxis vergeben, und der Ausbildungsaufwand mit Erklärungen, Vor- und Nachgesprächen nimmt zu.

Hier setzt die Methode des Modeling mit MetaLog ein. Im MetaLog kann die ausbildende Fachperson – bezogen auf eine konkrete berufliche Situation – über ihre Pläne, Ziele, Situationseinschätzungen, Selbst- und Fremdwahrnehmungen, Interpretationen, die gerade angewandten Methoden, situative mögliche Alternativen und Entscheidungen, eingesetzte Ritualisierungen, theoretische Modelle und Konzepte oder bisherige Evidenzen sprechen. Biografische Ereignisse, die Geschichte der gemeinsamen Beziehung oder der Beziehung zur Organisation können beiläufig erwähnt oder erfragt werden. Zudem verkörpern Fachpersonen einen bestimmten beruflichen Habitus; sie werden als Vorbilder wahrgenommen oder kritisch hinterfragt. Auch das ist ein mögliches Thema im MetaLog.

Beispiele für MetaLog-Formulierungen sind:

Wahrnehmung: Ich merke, dass …; ich habe gesehen, dass …; mein Eindruck ist …
Einschätzung: Das hat jetzt länger gedauert, als ich geplant habe …
Entscheidung: Ich sehe jetzt zwei Möglichkeiten …
Ressourcen: Wahrscheinlich ist es für Sie einfacher, wenn …; Ihnen traue ich zu, dass …
Ritualisierung: Wie jedes Mal beginnen wir so …
Evidenz: In solchen Situationen hat es sich bewährt, dass …
Theoriebezug: Ich werde Sie jetzt einiges fragen. Wir nennen das …
Biografie: Sehr schön, letzte Woche waren Sie doch …
Überraschung: Oh, das ist jetzt auch neu für mich …; das sehe ich bei dir zum ersten Mal …
Intervention: Zu ihrer Sicherheit stelle ich mich jetzt neben Sie, so können Sie …

Theoretische Bezüge der Methode

Modeling mit MetaLog wurde aus dem Konzept des Cognitive Apprenticeship (Collins, Brown & Newmann, 1989) experimentell entwickelt und in den letzten zwanzig Jahren auf die Ausbildungssituationen in der Praxis für personenbezogene Berufe adaptiert (Brühlmann, 2005).

Das aus den USA stammende, sechsteilige Konzept der Cognitive Apprenticeship2 wurde Mitte der 1990er-Jahre erstmals in den Gesundheitsberufen genutzt. Rasch wurde aber klar, dass sich das Element des Modeling – also des Vormachtens – in Anwesenheit von Klientinnen und Klienten kaum anwenden liess. Sobald über die Köpfe von Menschen hinweg über sie gesprochen wird, werden diese zu (Ausbildungs-)Objekten. Die Methode wurde darum weiterentwickelt. Zuerst wurde mit der konsequenten Ausrichtung auf die Klientinnen und Klienten experimentiert, später mit der Position der Beobachtenden, den wertschätzenden sprachlichen Formulierungen und der Stimmmodulation – wichtige Grundlagen von Modeling mit MetaLog.3 Seit 2005 findet die Methode in den deutschsprachigen Ländern Anklang, zuerst in der Pflege in Kliniken und Heimen, später auch in Sozialberufen, und seit wenigen Jahren auch in Therapieberufen und der Lehrerbildung. Modeling mit MetaLog wird ständig mit weiteren Elementen angereichert und verfeinert.

Mit dem MetaLog teilen die Praxisausbildenden explizit gemachtes berufliches Wissen mit. 
Diese Meta-Informationen sind eingebaut in den normalen Dialog mit den Klientinnen und Klienten. Zudem werden die Ausbildenden während der Arbeit als Modelle beobachtet, was für die Lernenden zusätzliche Informationen generiert.

Drei Regeln zur Inszenierung der Beobachtung

«Erstaunlicherweise meldeten die Studierenden zurück, dass sie im MetaLog zum ersten Mal angeleitet wurden, in einer Beobachtungssituation auf die Praxislehrperson zu schauen. Der Fokus auf die modellierende Person ist essenziell.» Moser & Žekar (2017)

Im Modeling mit MetaLog bleibt die ausbildende Fachperson mit ihrer Klientin und ihrem Klienten vollständig in der Arbeits-Beziehung. Dies zeigt sich in ihrer körperlichen Ausrichtung und der ausschliesslichen Adressierung der Mitteilungen, auch wenn diese berufsrelevante Überlegungen und Expertise vermitteln. Die MetaLog-Sequenzen werden während der beruflichen Handlung in die Beziehungsgestaltung eingestreut. Die beobachtenden Studierenden werden während Beobachtungssequenzen nie angeschaut.

Damit die Klientinnen und Klienten im Zentrum bleiben und die Beobachtenden den Arbeitsprozess nicht stören, werden diese nach einer Begrüssung von der Fachperson nicht mehr beachtet. Die Ankündigung der Inszenierung erfolgt immer durch die arbeitende Person; sie betont zu Beginn, dass die beobachtenden Personen ihr bei der Arbeit zuschauen werden. Damit diese Ankündigung glaubwürdig ist, muss das Setting sehr klar inszeniert werden. Dafür haben sich drei Regeln bewährt:

  1. Blick und Körperausrichtung der beobachtenden Personen richten sich auf die arbeitende Person. Für die Klientinnen und Klienten wirkt diese Ausrichtung glaubwürdig und dadurch entlastend. Es wird deutlich erlebbar, dass nicht sie im Zentrum des Interesses der Beobachtenden stehen, sondern die Fachperson.
  2. Die Arbeitsdistanz der Fachperson zur (nächsten) Klientin und zum (nächsten) Klienten ist geringer als die Distanz der arbeitenden zur beobachtenden Person. Das Verhältnis beträgt idealerweise zwei zu drei. Offensichtlich erleben Klientinnen und Klienten diese etwas grössere Distanz der Beobachtenden als ausreichend und klar genug, um sie als aussenstehend wahrzunehmen. In eng möblierten Räumen gilt es, die bestmögliche Lösung zu finden.
  3. Alle Anwesenden sollen die beobachtenden Personen ohne Kopfdrehung möglichst im Blick haben können, damit sie unter Kontrolle sind. Es reicht, die Beobachtenden aus den Augenwinkeln noch zu sehen, auch wenn sich die Klientin und die Fachperson anschauen. Demgegenüber ist es unangenehm, beobachtende Personen während der Arbeitssituation im Rücken zu haben.

«Ich hätte der Positionierung der Beteiligten ohne das entsprechende Wissen und die gemachten Erfahrungen eine geringere Bedeutung gegeben.» Iris Ludwig, MA, Pflegepädagogin

Die drei Regeln können in allen Berufssituationen angewendet werden, zum Beispiel am Patientenbett, in Unterrichtsräumen, in Kreis- oder U-Formen, wenn Mobiliar genutzt wird und sogar in bewegten, offenen Situationen sowie beim Gehen. Mit der Inszenierung nach den drei Regeln werden Beobachtende von den Akteuren nicht als Teil des Arbeitssystems wahrgenommen, sondern als zwar anwesend, aber klar unbeteiligt. Deshalb ist es auch wichtig, dass diese nicht-teilnehmenden Beobachtenden keine Arbeitsflächen oder zur Arbeitssituation gehörenden Gegenstände berühren oder nutzen.

Irritationen, Missverständnisse und Rückfragen lassen sich vermeiden, wenn die Beziehung mit den Klientinnen während MetaLog-Sequenzen konsequent bezogen und wohlwollend gestaltet wird. Dafür sind auch nonverbale Signale über die Mimik, Gestik und den Tonfall wesentlich. Wenn ein MetaLog mit abgesenkter (leiser, verlangsamter, tieferer) Stimme und nebensächlich gesprochen wird, gleichzeitig aber die Beziehung intakt bleibt, reagieren Klienten und Klientinnen kaum irritiert.

Wie man Modeling mit MetaLog einsetzt

«Wenn die Lernenden Modeling mit MetaLog bei Prüfungen anwenden, ist sofort ersichtlich, ob sie auch tatsächlich wissen, was sie tun und warum sie es tun.» Elmar Tratter, Dozent Gesundheits- und Sozialberufe

Modeling mit MetaLog wird meist gezielt und zeitlich begrenzt für im Voraus bestimmte Fragestellungen eingesetzt. Damit wird darauf Rücksicht genommen, dass die Studierenden die vermittelten Informationen auch verarbeiten müssen. Die Informationen im MetaLog können auf den Lernstand und das Interesse der Studierenden abgestimmt werden (Lompscher 2003). Die Methode eignet sich deshalb für Studierende in allen berufspraktischen Ausbildungsphasen.

Wirksam sind MetaLog-Sequenzen auch in simulierten Situationen. Dann zeigen die Praxisausbildenden etwas vor, es wird eine eigene Tätigkeit vorbereitet und dannin einem virtuellen MetaLog durchgespielt. Diese mentale Vorbereitung läuft ähnlich wie im Sport: Die Lernenden erzählen minutiös, was und wie sie etwas zu tun gedenken oder sie werden Schritt für Schritt abgefragt. Dabei werden auch mögliche Überraschungen und alternative Szenarien vorüberlegt: Was würdest du tun, wenn...? Welche Möglichkeiten stehen sonst noch zur Verfügung?

Danach erfolgt das begleitete Tun, bei dem sich die beobachtenden Ausbildungspersonen nur im Notfall einklinken (und auch dann nur an die arbeitenden Lernenden gerichtet). Die Methode kann von Studierenden genutzt werden, die während ihrer Arbeit ihre Wahrnehmungen oder Entscheidungen für die beobachtenden Fachpersonen kommentieren, zum Beispiel in Prüfungssituationen.

Wirkungen der Methode

«Ich finde die Methode des MetaLogs grossartig. Sobald sie genügend eingeübt ist, stellt sie eine Bereicherung für die Studierenden, die Praxisausbildnerin sowie die Klientinnen und Klienten dar.» Sarah Stöckli, Sozialarbeiterin, Jugendanwaltschaft Luzern

Neurologische Forschungen (u.a. Jäncke, 2013) lassen darauf schliessen, dass der Lerneffekt über die Gleichzeitigkeit der durch alle Sinne wahrnehmbaren, situativen Inszenierung mit dem zusätzlichen MetaLog verstärkt wird. Den Zeigeeffekt des MetaLog beschreibt Tomasello (2014): «Schauen Sie einfach, wohin ich zeige, und sie werden verstehen, was ich meine». Die situative Lenkung und Fokussierung der Aufmerksamkeit auf relevante Aspekte scheint eine in der menschlichen Evolution wesentliche Errungenschaft zu sein.

In einer vergleichenden experimentellen und videografierten Studie haben Moser & Žekar (2017) diverse Wirkungen bei Beobachterinnen, Klienten und Ausbildenden beobachten können. Zudem haben Teilnehmende in einer Studie von Bräkling (2014) sowie Praxisausbildende in Erfahrungsberichten (u.a. Amberger & Schura 2014) von ihren Erfahrungen und Einschätzungen berichtet. Diese Informationen decken sich weitgehend mit den während der experimentellen Entwicklung der Methode gemachten Erfahrungen (Brühlmann 2005, 2010, 2011). In dem im April 2020 erscheinenden Buch von Brühlmann, Moser & Žekar «Expertise sichtbar machen» (Kastentext unten) werden weitere Anwenderinnen und Anwender der Methode mit ihren Erfahrungen zitiert und wesentliche Gelingensfaktoren wie Positionierungen oder Stimmabsenkung genauer erläutert. Im Folgenden eine Zusammenstellung der wichtigsten Wirkungen von Modeling mit MetaLog:

Wirkungen auf das Lernen der Studierenden

  • Das explizite und implizite Wissen der Fachperson sowie ihre aktuellen Selbst- und Fremdwahrnehmungen in der beruflichen Situation können «sichtbar» gemacht werden
  • Studierende können berufliche Situationen am Modell erleben und konstruktiv für eigene Vorhaben und ihren Kompetenzaufbau adaptieren.
  • Das Beobachten einer Fachperson während der Arbeit wird durch den MetaLog spannender erlebt, weil der laufende «Dokumentarfilm» im Off einen Kommentar erhält.
  • Die Aufmerksamkeit wird mit dem Zeigeeffekt (Tomasello 2014) auf Wesentliches gelenkt.
  • Miterlebte MetaLoge schaffen die Bereitschaft für reflektierte Handlungsveränderungen in bevorstehenden, selber gestalteten Berufssituationen
  • Studierende erhalten über den MetaLog Antworten auf ihre im Vorfeld gestellten persönlichen Fragen oder spezielle Interessen.
  • Die Versprachlichung des Gesehenen trägt dazu bei, neue Erfahrungen zu verknüpfen und abzuspeichern. Die so erworbenen Kenntnisse werden möglicherweise eher im episodischen Gedächtnis gespeichert (Jäncke, 2013).

Wirkungen auf die ausbildenden Fachpersonen

  • Vor- und Nachgespräche mit den Studierenden werden kürzer, weil vieles bereits während der Arbeit gesagt werden kann.
  • Die ausbildenden Fachperson müssen während dem MetaLog die Prozessgestaltung auf zwei Ebenen gestalten: auf derjenigen ihrer Klientinnen und derjenigen der Studenten.
  • Die hohen fachlichen und persönlichen Herausforderungen werden von fachlich kompetenten Praxislehrpersonen meist als Bereicherung erlebt.
  • Die Fachpersonen müssen ihre für die Arbeit in personenbezogenen Berufen wesentlichen beruflichen Instrumente Sprache (Form und Inhalt), Körper (Wahrnehmungen und Körpereinsatz) sowie die materielle Infrastruktur (Raumgestaltung, Materialeinsatz) thematisieren können.
  • Diverse Praxislehrpersonen berichten, dass sie den MetaLog mit

Wirkungen auf die Klientinnen und Klienten

  • In emotional und fachlich anspruchsvollen Situationen kann der MetaLog verlangsamen, verdeutlichen und dadurch auf alle Beteiligten beruhigend und klärend wirken.
  • MetaLog-Passagen bleiben für die Klientinnen und Klienten störungsfrei, wenn die ausbildenden Fachpersonen konsequent in der Arbeitsbeziehung bleiben.
  • Die nicht für die Klienten gedachten zusätzlichen Informationen im MetaLog werden von diesen als nicht störend empfinden.
  • Klientinnen schätzen offen gelegte Zielen und begründete Handlungen der Fachpersonen.

Ausblick

«Unabhängig von den Vorteilen für die Studierenden und Patienten ergibt sich durch die Methode auch ein ökonomischer Nutzen. Zeiten für Übergaben und den Informationsaustausch zwischen den Berufsgruppen können verkürzt werden.» Stephanie Amberger, Pädagogin für Gesundheit und Pflege

Modeling mit MetaLog braucht weniger Zeit, weil schon während der Arbeit intensiv informiert und ausgebildet wird, und ist kostengünstig. Damit werden Vor- und Nachgespräche entlastet. Aber das Verfahren stellt hohe Ansprüche, weil es eine hohe Bereitschaft und Fähigkeit der Ausbildenden für die fachliche Reflexion voraussetzt. Der MetaLog muss zudem wohlwollend und wertschätzend bleiben, auch wenn Routinen oder Ärgernisse angesprochen werden, wie z.B. wiederholtes Zuspätkommen oder wenn den Klienten ein Ungeschick passiert. Der MetaLog muss klar machen, wie die ausbildende bildungsverantwortliche Person die Situation einschätzt, welche Handlungsmöglichkeiten sie hat und wie sie die Herausforderung angeht.

Modeling mit MetaLog wird heute in einer Vielzahl von Ausbildungsstätten angewendet – in der Bewährungshilfe der Jugendanwaltschaft Luzern etwa, am Unispital Insel Gruppe Bern in der Pflege, in der beruflichen Integration der OPA Stiftung Zürich, in der Eingangsstufe des Kindergartens Moos Stadt Zürich oder der Tagesschule der Stiftung Giedion Risch Zürich. Ebenso wird die Methode an diversen Ausbildungsstätten in den Weiterbildungskursen für angehende Praxisausbildnerinnen und Praxisausbildner vorgestellt – an der Hochschule Soziale Arbeit Luzern etwa, am Institut Unterstrass der Pädagogischen Hochschule Zürich PHZH, am Unispital Insel Gruppe Bern, Pflege, an der Landesfachschule für Sozialberufe Hannah Ahrendt in Bozen (Italien), an der Zentralen Akademie für Berufe im Gesundheitswesen ZAB im deutschen Gütersloh, an der FH Bielefeld oder am Bildungszentrum St. Josefs Hospital, in Wiesbaden.

Die Methode wirft eine Reihe von Forschungsfragen auf: Wie autonom und reflektiert werden beobachtete Passagen von Lernenden für die weitere Entwicklung ihrer beruflichen Kompetenz und des beruflichen Selbstverständnisses verwendet? Wie können reine Anpassungsleistungen vermieden werden? Was sind die zeitökonomischen Vorteile? Wie profitieren Klientinnen und Klienten? Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich für das berufliche Selbstverständnis und die methodische Kompetenz von Bildungsverantwortlichen? Welche Möglichkeiten ergeben sich durch weitere Anwendungen der Positionierungen und des MetaLogs beim Rollentausch im Coaching und an Prüfungen? Wie könnte sich durch eine Professionalisierung der Ausbildung in der Praxis etwa mit Modeling mit MetaLog das Verhältnis und die gegenseitige Wahrnehmung Praxis – schulische Ausbildung verändern?

Die bisherigen Beobachtungen stimmen optimistisch und lassen darauf schliessen, dass Studierende in der Lage sind, beobachtete Sequenzen in komplexere Zusammenhänge einzuordnen, sie in eigene berufliche Situationen zu transferieren und sich so gestärkt fühlen, Neues auszuprobieren. Fachlich kompetente Ausbildnerinnen und Ausbildner zeigen grosses Interesse an der neuen Möglichkeit, Berufssituationen laufend zu reflektieren und ihre Expertise während der Arbeit offen zu legen.

www.modelingmitmetalog.org 

Neues Praxishandbuch zum Modeling mit MetaLog

Im April 2020 erscheint im hep Verlag das Buch «Expertise sichtbar machen. Modeling mit MetaLog – Praxisausbildung in personenbezogenen Berufen». Modeling mit MetaLog wird ausführlich und in allen Einsatzmöglichkeiten beschrieben. Besondere Sorgfalt wird gelegt auf die Inszenierungen. Für diverse Berufssituationen sind genaue Skizzen und Beschreibungen vorhanden. Beispiele und Grundsätze für sprachliche Formulierungen, eine Beschreibung der Stimmmodulation, kurze Statements aus der Praxis, vertiefende Beiträge von vier Gastautorinnen und -autoren zum Einsatz der Methode in ihren Fachgebieten sowie das Vorwort von Tina Hascher von der Uni Bern bilden die Essenz des Buches. Dazu kommen Hinweise auf die theoretischen Bezüge und Studien zur Methode sowie eine kritische Auseinandersetzung zu aktuellen Entwicklungen der Praxisausbildung.

Das Buch eignet sich für Fachpersonen aus personenbezogenen Berufen, welche konkret verantwortlich, praktisch oder auch theoretisch in der Praxisausbildung tätig sind und die Methode im Gesamtkontext der Praxisausbildung profund kennen lernen möchten. Mit den Beispielen angesprochen sind insbesondere Interessierte aus den Bereichen Gesundheit, Bildung, Therapie und Soziales. Die Methode lässt sich auch auf weitere Berufe wie Verkauf und Betreuung, Sicherheit, Medizin oder Seelsorge übertragen.

Ergänzend zum Buch sind 30 kurze Video- und Audioclips aus den Bereichen Gesundheit/Therapie, Sozialarbeit/Sozialpädagogik und sowie Bildung/Unterricht produziert worden, auf welche im Buch verwiesen wird und die auf www.modelingmitmetalog.org zur Verfügung gestellt werden.

Jürg Brühlmann, Denise Moser, Mojca Žekar (2020): Expertise sichtbar machen. Modeling mit MetaLog – Praxisausbildung in personenbezogenen Berufen. Bern: hep Verlag

1 Wir verwenden in diesem Beitrag den Begriff der Klientinnen und Klienten stellvertretend auch für Patientinnen, Kunden, Schülerinnen, Betreute usw.

2 Modeling (vormachen); 2. Coaching (begleiten, beraten); 3. Scaffolding/Fading (unterstützen und loslassen, zurückziehen) 4. Articulation (verbalisieren); 5. Reflection (hinterfragen, vergleichen); 6. Exploration (untersuchen, weiterentwickeln).

3 Mit dem «Modeling» im Konzept des «Cognitive Apprenticeship» haben Colins, Brown, Newman (1989) die Basis für die Entwicklung der Methode Modeling mit MetaLog in personenbezogenen Berufen gelegt. Durch unsere Arbeiten wurde die Methode dann – als virtueller MetaLog – auf die Phase der Articulation und des Scaffolding ausgeweitet. Die sprachliche Sorgfalt und positive Konnotierung im MetaLog nutzt unter anderem das Konzept der gewaltfreien Kommunikation von Rosenberg (2016). Für die Inszenierung und Positionierung der Beobachtenden im Raum waren die Forschungen zur systemischen Aufstellung und Feldanalyse von Varga & Sparrer (2016) wesentlich. Die Methode basiert weiter auf Konzepten des Modelllernens (Bandura, 1976), der Versprachlichung (Gudjons, 2001) und des Professional Reasonings (Schön, 1983) bzw. «Clinical Reasonings» (Klemme, & Siegmann, 2006) oder «Knowledge based Reasonings» (Kleiner, 2015).


Literatur

  • Amberger S. & Schura A. (2014). Dann hat’s Klick gemacht. Erfahrungsbericht über die Erprobung von Modeling mit MetaLog. Padua 09 (03), 153–157.
  • Bandura, A. (1976). Lernen am Modell. Ansätze zu einer sozialkognitiven Lerntheorie (1. Aufl.). Stuttgart: Klett
  • Bräkling, S. (2014): Modeling mit MetaLog – eine Methode für die praktische Ausbildung in der Physiotherapie. Eine empirische Untersuchung (Unveröffentlichte BA-Arbeit). Bielefeld: Fachhochschule.
  • Brühlmann J., Moser D., Žekar M. (2019). Modeling mit MetaLog: Lernen von kompetenten Praxislehrpersonen im Schulpraktikum. In: Kosinar, J. Gröschner, A., Weyland, U. (Hrsg.). Langzeitpraktika als Lernräume. Historische Bezüge, Konzeptionen und Forschungsbefunde. Münster: IGSP & Waxmann, S.55-69.
  • Brühlmann J., Moser D., Žekar M. (2020). Expertise sichtbar machen. Modeling mit MetaLog in der Praxisausbildung. Bern: hep Verlag
  • Brühlmann, J. (2015): Lehrerausbildner geben Berufsgeheimnisse weiter - mit MetaLog.
  • Brühlmann, J. (2011). Modeling mit MetaLog macht berufliches Wissen in der Praxis lebendig. Live-Inszenierung von beruflichem Wissen. Padua Nr. 1, S. 11-16
  • Brühlmann, J. (2010). Modeling mit MetaLog in der Praxisausbildung. Printernet Pflegewissenschaft, Nr. 03, S. 133–140
  • Brühlmann, J. (2005). Modeling mit MetaLog in der berufspraktischen Ausbildung. BzL-online, Beiträge zur Lehrerbildung, 23 (03) 2005
  • Colins, A., Brown, J.S. & Newman, S.E. (1989). Cognitive apprenticeship. Teachings the Crafts of Reading, Writing and Mathematics. In: L.B. Resnick (Hg.), Knowing, learning and instruction. Hillsdale: N.Y. Erlbaum
  • Hascher, T. (2006). Veränderungen im Praktikum – Veränderungen durch das Praktikum. Eine empirische Untersuchung zur Wirkung von schulpraktischen Studien in der Lehrerbildung. In: Allemann-Jäncke, L. (2013). Lehrbuch kognitive Wissenschaften. Bern: Huber.
  • Kleiner, K. (2015). Zum Blickverhalten von Studierenden im Rahmen schulpraktischer Studien: Ein Beitrag zur professionellen Beobachtungs- und Systemkompetenz im Sportunterricht. In: IGSP (Hrsg.): Professionalisierung angehender Lehrpersonen im Kontext schulpraktischer Studien (Programmheft 1. Internationaler Kongress «Lernen in der Praxis»). Windisch: Fachhochschule Nordwestschweiz.
  • Klemme, B. & Siegmann, G. (2006). Clinical Reasoning. Therapeutische Denkprozesse lernen. Stuttgart: Georg Thieme Verlag.
  • Lompscher, J. (Hrsg.) (2003). Lew Vygotskji (Ausgewählte Schriften Band II). Berlin: Lehmanns Media
  • Moser, D. & Žekar, M. (2017). Modeling mit MetaLog: Lernen in der Berufspraxis. Zürich: Institut Unterstrass PHZH & Hildesheim: Universität (unveröffentlichte Master-Arbeit)
  • Schön, D (1983). The Reflective Practitioner. How Professionals Think in Action. New York: Basic Books
  • Sparrer, Insa (2016): Systemische Strukturaufstellungen. Theorie und Praxis. Heidelberg: Carl Auer.
  • Tomasello, M. (2014). Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Zitiervorschlag
Brühlmann, Jürg (2019): Texte aus dem Off. Transfer, Berufsbildung in Forschung und Praxis (1/2020), SGAB, Schweizerische Gesellschaft für angewandte Berufsbildungsforschung.